Untersuchungen zum Wasserhaushalt der Pflanzen
( Biologie Oberstufenkurs )
Inhalt:

1. Transpirationsmessungen - Entdeckung der stomatären und kutikulären Transpiration

2. Mikroskopie der Spaltöffnungen (Stomata) / Schließmechanismus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

1. Transpirationsmessungen - Entdeckung der stomatären und kutikulären Transpiration

Praktisch-experimenteller Teil ( I ):

Transpirationsmessung an Eiche und Blauem Lieschen Zur besseren Darstellung wurden die Massen zur Zeit O gleichgesetzt und dann entsprechend der im Zeitintervall transpirierten Menge die gemessenen Massen neu berechnet.
Aus der Grafik läßt sich auf die gleichmäßig verlaufende Transpiration während der 1O Minuten schließen ( Die Stufenabsätze der Säulen sind gleich hoch.) Bei Belichtung steigt die Transpiration an. Einen Vergleich der Pflanzen läßt die Darstellung nicht zu, eine Bezugsbasis fehlt.

Problem:   fehlende Bezugsbasis zur Vergleichbarkeit der Pflanzen

Lösung:     Darstellung der transpirierten Masse pro Zeit pro Blattflächeneinheit

                             Einheit:     mg / min*cm2

Vergleich der Transpiration an Eiche und am Blauen Lieschen

Eiche: 16,9mg/8 min/72,8 cmLieschen (normal) : 13mg/8 min/17,86 cm2 (Licht) : 14,96mg/8 min/17,86 cm2 .
 
 
Vergleich der Transpirationen bezogen auf mg / min / cm^2 Unter gleichen Bedingungen (Temperatur, Belüftung, Lichtstärke, Luftfeuchtigkeit ...) ist die Transpiration beim Lieschen ca. dreimal so hoch wie bei der Eiche.
Standortvorhersage: Das Lieschen lebt an feuchteren Standorten als die Eiche. (Ein höheres Wasserangebot im Boden führt zu stärkerer Transpiration.)

Aufgabe: Berechnung der Wasserabgabe eines Eichenbaumes pro Tag

Rechnung : O,O29 * 6O * 24 * 1,2 . 1O7 = 5,O143 .1O8 mg / Tag * Baumblattfläche
                  da 1 kg = 1 Liter ( Wasser )  => 5O1,43 Liter Wasser

Praktisch-experimenteller  Teil ( II ):

stomatäre und kutikuläre Transpiration bei Exacum Die Wasserabgabe verläuft hauptsächlich über die Blattunterseite ( hier sind Wasser abgebende Spaltöffnungen zu finden ) = stomatäre Transpiration .
Die Wasserabgabe durch die Blattoberseite wird durch eine Kutikula (wachsartige Schutzschicht) stark eingeschränkt 
= kutikuläre Transpiration .
Der Anteil der kutikulären Transpiration an der gesamten Transpiration liegt bei nur ca. 1O %.

Weitere Schlußfolgerungen
 

2. Mikroskopie der Spaltöffnungen (Stomata) / Schließmechanismus

Mikroskopieraufgaben: ( Objekt: Exacum , Blaues Lieschen)
 
 
Tätigkeit Ergebnis
1. Flächenschnittpräparat von der Blattunterseite 
 
 
 
 

 

Spaltöffnungen auf der Unterseite = hypostomatisches Blatt zu sehen , Epidermiszellen sind stark gelappt und ineinander verzahnt, 
Abb. untere Epidermis mit Stomata: 1- Epidermiszelle, 2 - Chloroplast, 3 - Schliesszellen, 4 - Zentralspalt (Spaltöffnung = Stoma), 5 - Nebenzelle, 6 - Zellwand, 7 - gehört zum sogenannten Spaltöffnungsapparat

 

untere Epidermis mit Stomata Schließmechanismus der Stomata
Abb. untere Epidermis mit Stomata     Schülerzeichnung (Vergrößerung 1O * 4O , 4OOfach) Bild 1 und 2:
Schließmechanismus der Stomata

 
 
2. Flächenschnittpräparat von der Blattoberseite Form der oberen Epidermiszellen ähnlich wie die der unteren Epidermis, aber keine Stomata vorhanden, Bestätigung der oben genannten Annahme ( s. auch Abb. stomatäre und cutikuläre Transpiration)
3. Längenmessungen an den Schließzellen und 
Stomata (Hilfsmittel: Okular- u. Objektmikrometer)
 

 

nach  Mittelwertbildung:
Länge / Breite der Stomata : 19,25 / 8,66 Mikrometer
Länge / Breite der Schließzellen: 34,65 / 23,1 Mikrometer
4. Bestimmung der Stomataanzahl durch Auszählen der Stomata im sichtbaren Mikroskopbild (bei z.B. 1O * 4O Vergrößerung)  nach  Mittelwertbildung:
Stomataanzahl : 19

 Berechnung der Stomataanzahl pro cm2 und Anteil an der Gesamtblattfläche

1. Berechnung der Fläche des Mikroskopausschnittes

Wegen der Kreisfläche ( pi * d 2/ 4 )   und des gemessenen Durchmessers von 331,1 Mikrometer , ergibt sich für den Mikroskopausschnitt 86O57,36 Quadratmikrometer = O,O86O57 mm2.

2. Stomataanzahl

In O,O86O57 mm2 befinden sich 19 Spaltöffnungen ( s.o. Tätigkeit 4.), daraus folgen für 1mm2 22O,78 Stomata und 1 cm2 22O78 Stomata.

3. Berechnung der Stomatafläche

Für die ovale Stomataöffnung wird zur Vereinfachung eine Rechteckfläche angenommen.
Es folgt aus O,O1925 mm * O,OO866 mm = 1,667O5 . 1O- 4 mm2 .bzw. 1,667O5 . 1O- 6 cm2 .
(s.o. Tätigkeit 3: 19,25Mikrometer und 8,66 Mikrometer )

4. Berechnung des Anteils der Stomatafläche an der Gesamtblattfläche

Da pro cm2 22O78 Stomata liegen, ergibt sich infolge von 1,667O5 . 1O- 6 cm2 * 22O78 =
3,68O5  . 1O- 2 cm2.

Das bedeutet:
Nur 3,68 % Stomatafläche der Gesamtblattfläche bewerkstelligen die gesamte Transpiration .

Hinweis:
Dennoch transpiriert eine Blattfläche ca. bis 7O % einer gleichgroßen Wasserfläche. Ursache ist der Randeffekt.
= Ein Effekt, der an den Stomata der Blätter eintritt, hier kann aufgrund des Düseneffektes relativ viel Wasser durch die kleine Stomafläche durchtreten und in alle Richtungen diffundieren.
 
 
Tätigkeit  Ergebnis
5. untere Epidermis mit Spaltöffnungen in destilliertem Wasser
 
 

 

Die Spaltöffnungen sind weit geöffnet.
In die Schließzellen strömt Wasser ein, sie krümmen sich daher nach außen. Die Verdickungsleisten (= Zellwandausbildungen) der Schließzellen verhindern das Krümmen nach innen zum Spalt hin. ( s. Bild 1)
6. wie unter 5. nur Durchsaugen von KNO3- Lösung durchs Präparat
 
 

 

Die Spaltöffnungen schließen sich.
Aus den Schließzellen fließt Wasser heraus, infolge der hohen Salzkonzentration außerhalb. Die Schließzellen erschlaffen und die Verdickungsleisten treffen zusammen und schließen somit den Spalt.
(s. Bild 2)

Schlußfolgerung aus den bisherigen Ergebnissen über die Arbeit der Spaltöffnungen

Die Stomaschließung wird durch Dunkelheit (und z.B. zu hohe innere Kohlenstoffdioxid-Konzentration) hervorgerufen. Hier könnten damit verbundene Konzentrationsänderungen der Ionen , z.B. K+, für den Wasserausstrom aus den Schließzellen verantwortlich sein, und somit die Stomaschließung bewirkt.
 
 

Autor : StR Holger Schickor mit Lk 11 Bio
 
 

© StR Holger Schickor    letzte Änderung 27.O9.1998

wird fortgesetzt