Die
Artenvielfalt nahm auf der Erde seit der Entstehung des Lebens allmählich
zu. Doch es kam immer wieder zu dramatischen Rückschlägen. Zum
Beispiel starben vor 240 Mio. Jahren, im Perm, 77 - 96 % aller Meerestierfamilien
aus. Doch das spektakulärste Massensterben vollzog sich gegen Ende
der Kreidezeit, also vor ca. 65 Mio. Jahren. Dabei starben die Dinosaurier
und mit ihnen etwa 10% aller Meerestierarten.
Erst
Jahrmillionen später erholte sich der Bestand wieder. Als die ersten
Menschen in Erscheinung traten, hatte sich die größte Artenzahl
aller Zeiten entwickelt. Doch der Mensch greift immer wieder in bestehende
Ökosysteme ein und verursacht einen Artenrückgang, der
mit dem in der Kreidezeit vergleichbar ist.
Die
umweltverändernde Wirkung der Menschen hat Geschichte und ist sogar
Teil unseres kulturellen Selbstbewußtseins. So machte sich der Mensch
schon immer die Produktivität natürlicher Ökosysteme für
seine Ernährung, Bekleidung und Behausung zunutze. Hierbei bevorzugte
er solche Vegetationen, die sich am Anfang der Sukzession, also
in der produktiven Initial- oder Folgephase, befanden.
Ackerbau
ist ein Beispiel für die Eingriffe des Menschen, welches schon sehr
früh, zur Jungsteinzeit, betrieben wurde. Bei diesem Verfahren wird
der Boden künstlich durch regelmäßiges Pflügen in
der Initialphase gehalten und anstelle zufälliger Pionierpflanzen
werden ausgewählte Kulturpflanzen angebaut und deren Konkurrenten
durch Jäten oder andere Pflanzenschutzmaßnahmen unterdrückt.
Jedoch gehen die wichtigsten Pflanzen für die menschliche Ernährung
nur auf20 verschiedene Arten zurück.
Ein
weiteres Beispiel ist die Weidewirtschaft. Sie nutzt die Folgephase
der Sukzession. Das weidende Vieh verhindert das Wachstum von Arten der
Klimaxgesellschaft. Einige charakteristische und durchaus artenreiche
Kulturlandschaften, wie z. Bsp. Die Heidelandschaft, sind auf diese Wiese
entstanden. Wälder wurden durch monotone Forste ersetzt, um das wenig
produktive Klimaxstadium zu beenden und die Sukzession neu zu starten.
Die Folge ist meist eine zunehmende Artenverarmung. Besonders schwerwiegend
sind hierbei die Eingriffe in die artenreichen tropischen Regenwälder.
Mit dem Lebensraum zerstört der Mensch allerdings auch gleichzeitig
die genetischen Reserven für eine natürliche Erneuerung der Lebensvielfalt
.
Am
Beispiel der Vogelfauna (hier: im Gebiet des Mittelrheins) wird der
Einfluß des Menschen verdeutlicht. Es wird nun die Entwicklung der
Vogelfauna seit dem Entwicklung der Vogelfauna seit dem Ende der Eiszeit
bis in die heutige Zeit(1975). Mit dem Abschmelzen des Eises vor ca. 12000
J. begann die Umwandlung von der Tundra zu einem gemischten Laubwald, der
keine geschlossene Kronenschicht besaß und somit einen üppigen
Unterwuchs hervorbrachte. Bis (4000 v. Chr.) zum Ende der Mittelsteinzeit
waren die Menschen in dieser Region Jäger und Sammler. Somit nahmen
sie nur geringen Einfluß auf die Landschaft. In der Jungsteinzeit
wurde erstmals Wald gerodet und der Boden bearbeitet. Die Landschaft wurde
so erstmals vollständig umgewandelt. In der Bronzezeit (etwa 2000
v. Chr.) wanderte die Rotbuche ein. Der Wald bekam nun ein geschlossenes
Dach. Zuzüglich wurde die Landwirtschaft intensiviert, nicht zuletzt
durch die Römer. Es herrschten allerdings, durch zerstückelte
Landschaften mit Brachflächen, günstige Bedingungen für
wildlebende Tiere.
Vom
Ende der Eiszeit bis um 1850 n. Chr. hat sich die Landschaft stark gewandelt,
sie ist aber stets vielgestaltig gewesen. Die großen Vogelarten haben
im allgemeinen während dieser Zeit abgenommen, da ihnen die Lebensräume
zu klein wurden und gezielte Verfolgung ihre Bestände teils zum erlöschen
brachte. Nicht besser erging es extrem spezialisierten und kälteliebenden
Tieren, die als Relikte der Eiszeit noch hier lebten. Kleinere Vögel
und besonders Arten aus steppenartigen Lebensräumen fanden in der
veränderten Landschaft ideale Bedingungen. Mitte des 19. Jh. lebte
in Mitteleuropa noch eine sehr artenreiche und teilweise auch individuenreiche
Vogelfauna.
In
dieser artenreichen Fauna vollzog sich eine immer größere Wandlung
. Ihr Auslöser war die zunehmende Industrialisierung. In den Städten
waren es vorwiegend der Bau von Fabriken und Wohngebieten. Auf den Dörfern
war die Wandlung bis 1950 sehr gering. Jedoch in der offenen Landschaft
veränderte sich viel. Nahezu jedes Flußufer wurde begradigt,
jeder Weg gefaßt, sowie jeder Wald, See, Fluß und jedes Feld
wurde bewirtschaftet. Die letzten Moore wurdendrainiert
und jede Feuchtstelle trockengelegt. Bis 1900 scheint die Natur aber noch
unerschöpflich zu sein. Erst nach der Jahrhundertwende beginnt sich
der Naturschutzgedange durchzusetzen und erste Gesetze werden verabschiedet.
Während dieser Zeit starben einige Arten aus. Z. Bsp. Auerhuhn und
Fischadler. Andere nahmen zum Teil rapide ab (Weißstorch und Wanderfalke).
Neu hinzugekommen sind nur wenige Arten (z. Bsp. Girlitz).
Die
Zeit des Wiederaufbaus nach dem Kriege bot die entscheidenste Änderung
der Lebensbedingungen. Die Städte dehnten sich stark aus und boten
mit ihren Grünflächen nur wenigen Vogelarten Ansiedlungsmöglichkeiten.
Auch der Umbau der Dörfer (z. Bsp. Kanalisation und Abschaffung des
Pferdes als Zugtier) und die Flurbereinigung in der offenen Landschaft
wirkten sich negativ aus. Der Lebensraum der Tiere, die nicht Kulturfolger
der Menschen sind, schrumpften mit großer Geschwindigkeit. Wenige
Arten profitierten (Ringeltaube, Amsel) und einige wanderten ein (Silbermöwe,
Türkentaube). Manche, wie z. Bsp. der Kiebitz fanden eine Möglichkeit
sich anzupassen (der Kiebitz brütet an Rüben- und Kartoffeläckern).
Doch für die Mehrzahl der Arten sind die Bedingungen kaum mehr erträglich.
So zeigt eine Bestandsauffassung der letzten Jahre einen erschreckenden
Artenrückgang.
In
den sogenannten „roten Listen“ werden ausgestorbene und gefährdete
Arten in Deutschland aufgeführt. Danach gelten derzeit rund die Hälfte
aller Wirbeltierarten in den alten Ländern als „in ihrem Fortbestand
gefährdet“, bei den Farn- und Blütenpflanzen ist ebenfalls ein
großer Teil bedroht. Hier ist es gefordert Rückzugsräume
für eine standortgerechte Fauna und Flora zu erhalten. Die Anlage
von Teichen, Wiesen, Trockenmauern, die Begrünung von Dächern
und Fassaden so wie die Vermeidung von Schadstoffemission bedeuten persönliche
Beiträge zur naturnahen Umwelt.
Nur
in intakten Ökosystemen können Arten vor dem Aussterben geschützt
werden. Artenschutz heißt immer auch Biotopschutz.
Der
staatliche Naturschutz wird in Deutschland durch das Bundesnaturschutzgesetz
geregelt. Möglichkeiten zum Schutz gefährdeter Arten in aller
Welt bietet das Washingtoner Artenschutzabkommen vom 3.3.1973. Die gesamte
Land- und Wasserfläche der Naturschutzgebiete betrug in Deutschland
1991 1,91% der Gesamtfläche. Pflanzen und Tiere dürfen dort nicht
gestört oder gar beseitigt werden. Jagt, Landwirtschaft und Forstwirtschaft
sind- mit wenigen Ausnahmen - verboten.
Besucher müssen auf den Wegen bleiben. Auch Störungen von Außen,
z. Bsp. durch Entwässerungsmaßnahmen, sind zu vermeiden. Die
meisten Naturschutzgebiete sind recht klein.
Nationalparke
Großräumige
Naturschutzgebiete, die sich in einem vom Menschen möglichst unbeeinflußten
Zustand befinden. Allerdings kommt es immer wieder zum Konflikt zwischen
Nutzung und Schonung.
Landschaftsschutzgebiete
Weniger
streng ist der Landschutz. Der Schutz gilt besonders schönen Landschaften
und einer intakten Natur, in der sich Menschen gut erholen können.
Verhindert werden sollen unerwünschte Siedlungen, Verkehrslinien,
Wasserbauten und technische Anlagen (wie Energieleitungen, Werkbahnen oder
Silos). Eine behutsame land - und forstwirtschaftliche Nutzung ist erlaubt
und dient zugleich der Landschaftspflege.
Biosphärenreservate
Naturschutzgebiete
und Landschaftsschutzgebiete, die international Forschungsaufgaben haben.
Naturparke
Landschaftlich
reizvolle Naherholungs - und Urlaubsgebiete. Ein Naturpark kann zum Teil
aus Naturschutzgebieten und Landschaftschutzgebieten bestehen. Im übrigen
unterliegt er aber keinen besonderen Schutzbestimmungen.
Die
Umsetzung des Naturschutzgedankens erfordert nicht nur gesetzliche, finanzielle
und personelleMittel, sondern auch
ein verändertes Naturverständnis. Das inzwischen leicht verbesserte
Umweltverständnis liegt vor allem in der Erkenntnis, daß eine
geschädigte Umwelt auch dem Menschen schadet, da Veränderungen
der biotischen und abiotischen Bedingungen alle Teile gleichermaßen
betreffen. Der Mensch besitzt keine Sonderstellung im Ökosystem. Auch
wenn er stark auf die Umwelt einwirkt ist er doch abhängig von ihr.
von
Angelika Rieck
weitere
Vorschläge themenbezogenerLiteratur:
-Diewassergefüllte
Wagenspur : „Untersuchungen an einem anthropogenen Miniatur-Ökosystem“
von Ulrich Joger (Decheniana (Bonn) 134, 215 - 226 / 1981 )
Quellen:
-Natura
Bd. 3 / Klett - Verlag / 1995
-„Der
Einfluß des Menschen auf die heimische Vogelfauna“ von Goetz Rheinwald
(
Decheniana ( Bonn) 130, 254 - 258 / 1977 )
-Terra
/ Geographie 10. Schuljahr / Klett - Verlag / 1992
Ökosystem:
räumliche Wirkungsgefüge aus biotischen und abiotischen Faktoren,
einschließlich des Menschen, mit der Fähigkeit zur Selbstregulation.
Sukzession:
typische Abfolge von Lebensgemeinschaften, bestehend aus einer Initialphase
und einer Folgephase. Beide Phasen zusammen sind die produktiven Sukzessionsabschnitte.
Initialphase:
Eintreffen von vermehrungsfreudigen Pionierarten. Besiedelung neuer Gebiete
in
großer
Dichte, jedoch weniger Arten. Später von längerlebigen und höherwüchsigen
Arten verdrängt.
Folgephase
der Sukzession: Aufbau großer Mengen an Biomasse, die eine Vielzahl
an Konsumenten anzieht. Durch deren regulierenden Einfluß kann die
Pflanzengemeinschaft sehr lange in dieser Phase verharren.
Klimax:
Fließgleichgewicht zw. Bildung und Verbrauch von Biomasse. Diese
Phase weist weniger, aber langlebigere Arten als die Folgephase auf.
Biomasse:
Organische Substanz in einem Ökosystem, gemessen in Gramm pro Flächen
- oder Volumeneinheit.
Biotop:
Lebensraum
Biosphäre:
Gesamtheit der Ökosysteme der Erde.