Eine Kurzvorstellung der „Schüler experimentieren“ – Wettbewerbsarbeit ´99
Autoren:
- Harald Nickels,
- Thorsten Heck
- Jan Heinrichs
- Betreuungslehrer: Herr StD H.-D. Reichert: Hadi.Reichert@gmx.de)
Einführung in die Arbeit
Antworten auf die Hauptfragen
Kurzfassung
Fazit und Erkenntnisse
Wir untersuchten verschiedene Milchsorten (Frischmilch, H-Milch, pasteurisierte
Milch), Milchprodukte (Joghurt, Buttermilch) sowie Silage nach Milchsäurebakterien,
indem wir zuerst Proben von je 1 Milliliter stufenweise mit 9 Milliliter
0.9%iger Kochsalzlösung verdünnten. Aufgrund der Vorversuche
kannten wir die ungefähre Lebendzellzahl und verwendeten deshalb die
Verdünnungsstufen 1:10, 1:100, 1:1000 und 1:10.000. Aus den Verdünnungsröhrchen
entnahmen wir je 0,1 ml und beimpften die Nährböden, die wir
vorher im Dampftopf 20 min bei 120° C sterilisiert und in Petrischalen
gegossen haben. In den Vorversuchen hatten wir auch Rogosa-Agar als Nährboden
verwendet. Da auf diesem Rogosa-Agar keine Bakterien gewachsen waren, verwendeten
wir ihn nicht bei unserem Hauptversuch.
In unserem Hauptversuch benutzten wir den Zobellnährboden anstelle
des Rogosa-Agars. Dieser Nährboden hatte sich in den Vorversuchen
als geeignet erwiesen. Außerdem benutzten wir einen fertigen China
Blau Nährboden, den wir lediglich in Wasser lösen und anschließend
20min kochen mußten.
Der Hauptversuch lieferte folgende Ergebnisse:
L+= Lactose positiv
Die Zahlenwerte stellen die berechneten Lebendzellzahlen dar. Sie wurden
bestimmt anhand der auf den verschiedenen Verdünnungsstufen ausgezählten
Koloniezahlen.
Die Werte > 250000 ergaben sich dadurch, dass auch bei der höchsten Verdünnugsstufe die Zahl der Kolonien noch unzählbar groß war.
Wie viele Milchsäurebakterien lassen sich in unterschiedlichen Milcharten und Milchprodukten nachweisen?
Wir hatten erwartet, dass die ultrahocherhitzte H-Milch keine oder nur
sehr wenige Milchsäurebakterien enthält. Daher waren wir sehr
überrascht, dass auf den mit H-Milch beimpften Nährböden
durchschnittlich mehr Kolonien gewachsen waren, als auf denen mit Frischmilch.
Dies läßt sich dadurch erklären, dass die H-Milch eine
Woche im Kühlschrank stand.
Sehr viele Milchsäurebakterien waren in dem Joghurtprodukt
der Molkerei Andechs enthalten. Auf beiden Nährböden lieferte
der Andechs-Joghurt die höchsten Lebendzellzahlen, wenn man von den
bei unseren Verdünnungsstufen nicht bestimmbaren Lebendzellzahlen
bei Kefir, Buttermilch, Grassilage und Maissilage absieht. Beim Joghurt
der Molkerei Söbbecke ergaben sich auf beiden Nährböden
ähnliche Ergebnisse, was auch für den Joghurtdrink Actimel galt.
Bei dem probiotischen Joghurt LC 1 von Nestle gab es große
Unterschiede: Während das Produkt auf dem Zobell-Agar nur eine Zellzahl
von 4.000 pro Milliliter erreichte, sind die Ergebnisse auf dem China Blau
Nährboden zum Teil unzählbar.
Man kann zusammenfassend feststellen, dass die verschiedenen Produkte
von unterschiedlich vielen Bakterien besiedelt sind und dass die verschiedenen
Nährböden jeweils nur einen Teil der in den Proben vorkommenden
Bakterien erfassen können. Deshalb sollte man bei der Angabe der Lebendzellzahl
durch die Hersteller auch genau in Erfahrung bringen, auf welchen Nährböden
diese ihre Lebendzellzahlen bestimmt haben. Dies wollen wir noch tun.
Außerdem wäre es interessant für verschiedene Nährböden
die Schnittmenge und die Gesamtmenge zu bestimmen.
Dies haben wir versucht durch Bestimmung der Kolonietypen. Allerdings
war die Typenvielfalt recht begrenzt, ein Hinweis darauf, dass die Hersteller
die Milch mit wenigen geeigneten Bakterien beimpften.
Welche Nährböden eignen sich für Milchsäurebakterien am besten?
Aufgrund unserer Vorversuche, bei denen wir außer der Bestimmung
geeigneter Verdünnungsstufen weitere Vergleichswerte aufgefunden
hatten, können wir folgende Aussagen machen:
· Der Selektiv-Agar ist ungeeignet, da die Milchsäurebakterien
nur schwer bzw. gar nicht auf diesem Nährboden wuchsen.(vorausgesetzt
wir haben bei der Herstellung Fehler gemacht)
· Die besten Erfahrungen hatten wir mit Chinablau und Zobell-Nährböden
gemacht. Deshalb hatten wir diese auch in unserem Hauptversuch verwendet.
Wieviele verschiedene Typen von Milchsäurebakterien lassen sich auf den Nährböden nachweisen?
Beim Zobell Nährboden konnten wir zwei verschiedene Kolonietypen unterscheiden, die wir in der Tabelle mit K1 und K2 bezeichneten. Beim Kolonietyp K1 handelte es sich um meist kleine punktförmige gelbe Bakterien. Bei K2 handelte es sich um größere blaß-rote Bakterien, die von einer Art Schweif umgeben waren. Im allgemeinen überwog die Zahl der Bakterien von Kolonietyp K1. Bei China Blau Nährböden konnten wir drei verschiedene Koloniearten unterscheiden. Bei Kolonietyp K1 handelte es sich um blaue, das heißt lactosepositive Bakterien. Typ K2 waren weiße Kolonien, also laktosenegative Bakterien. Kolonietyp K3 waren gelbe Bakterien, wie sie auch bei Zobell wuchsen. (Ergebnisse)
Sind in Silage mehr Milchsäurebakterien enthalten als in Milch und Milchprodukten?
Die Bakterienkolonien waren bei Grassilage in allen Verdünnungsstufen
auf beiden Nährböden unzählbar. Daher kann man davon ausgehen,
dass in Grassilage mehr Milchsäurebakterien enthalten sind als in
den Produkten, bei denen die Kolonien zählbar waren. Wir können
jedoch aufgrund unserer Ergebnisse nicht sagen, ob Grassilage mehr Milchsäurebakterien
enthält als Kefir oder Buttermilch.
Über Maissilage können wir keine konkreten Aussagen treffen,
da die Auszählungsergebnisse auf den Nährböden sehr unterschiedlich
waren:
Die Koloniezahl auf den Zobell-Nährböden war auch bei der
Verdünnungsstufe 1:10000 nicht zählbar. Auf den China Blau Nährböden
wuchsen bei der Verdünnungsstufe 1: 10 durchschnittlich nur 80 Kolonien.
Sind in bestimmten beworbenen Milchprodukten wie LC1 und Actimel tatsächlich viel mehr Milchsäurebakterien enthalten als in den herkömmlichen Sauermilchprodukten?
Diese Frage ist nach unseren Untersuchungsergebnissen mit Nein zu beantworten,
denn Produkte, wie zum Beispiel Buttermilch oder Kefir übertreffen
Actimel in ihrer Lebendzellzahl eindeutig. Dazu kommt, dass diese neu beworbenen
Produkte oft sehr teuer sind.
Die vorliegende Arbeit behandelt das Thema: Milchsäurebakterien–Wunschdenken
und Fakten
Wir führten Versuche durch, um in Milchprodukten die Milchsäurebakterien
nachzuweisen. Dabei kochten wir verschiedene Nährböden, auf denen
die Milchsäurebakterien bevorzugt wachsen. Im Verlaufe der Vorversuche
wechselten wir aufgrund fehlgeschlagener Versuche die Nährbodenart
von Selektiv-Agar auf Zobell- und Chinablau-Agar um. Während der Vorversuche
lernten wir schnell die Herstellungsmethoden der Nährböden, das
Beimpfen der Nährböden mit einem Milchprodukt, das vorher in
einer 0.9%iger Ringerlösung in verschiedene Verdünnungsstufen
suspendiert worden war, sowie das Auszählen der Kolonien, die auf
den Nährböden wuchsen.
Die Ergebnisse, die wir von den Versuchen erhielten, rechneten wir
hoch und erstellten daraus Diagramme, die vorallem auf den Hauptversuch
bezogen sind, bei dem wir 10 Produkte auf 150 Petrischalen beimpften. Dieser
Hauptversuch lieferte uns so viele genaue Zahlen, dass wir
Vergleiche bezogen auf Nährböden, Verdünnungsstufen
und Milchprodukten erarbeiten konnten.
Anhand dieses Versuchs konnten wir folgende Fragen beantworten:
· Wie viele Milchsäurebakterien lassen sich in unterschiedlichen
Milcharten und Milchprodukten nachweisen?
· Welche Nährböden eignen sich für Milchsäurebakterien
am besten?
· Wieviele verschiedene Typen von Milchsäurebakterien lassen
sich auf den Nährböden nachweisen?
· Sind in Silage mehr Milchsäurebakterien enthalten als
in Milch und Milchprodukten?
· Sind in bestimmten beworbenen Milchprodukten wie LC1 und Actimel
tatsächlich viel mehr Milchsäurebakterien enthalten als
in den herkömmlichen Sauermilchprodukten?
Daß die neuen Milchsäurekulturen gesünder sind
als die althergebrachten, halten allein die Hersteller für bewiesen.
In der Praxis setzen die Molkereien lediglich ganz normalem Joghurt nach
der Fermentation lebende Mikroorganismen zu. Dadurch erhöht sich die
Anzahl der Milchsäurebakterien und damit auch die Chance, daß
mehr von ihnen den Darm unbeschadet erreichen. Allerdings ist es fraglich,
ob die Milchsäurebakterien in Sauermilchprodukten wie Joghurt überhaupt
auf Dauer und in ausreichender Zahl überleben können. Einen umfassenden
Gesundheitsschutz können probiotischen Joghurts ohnehin nicht leisten.
Dazu muß die gesamte Ernährung vollwertig und ballaststoffreich
sein. Wichtig ist vor allem, daß Joghurt regelmäßig verzehrt
wird, da die Bakterien im Dickdarm nach einiger Zeit absterben. Ob man
aber nun probiotischen Joghurt zu sich nimmt oder herkömmliche Bakterien
wie die bekannten Bifido-Bakterien, spielt überhaupt keine Rolle:
Auch diese erreichen lebend den Darm und erzielen positive Effekte.
© Thorsten Heck, 6/ 99