Acetylsalicylsäure
(Aspirin
= Markenname)
Autoren
: Eugenia Hein und Roland
Weckfort
Der Name Aspirin
(a + spiraed) leitet sich von
der Pflanze Wiesenspierstaude (spiraed ulmaria) ab. Er wurde von der
Firma
Bayer als Markenname für den Wirkstoff
Acetylsalicylsäure
(Abk.:
ASS)eingeführt. Acetylsalicylsäure ist ein
Abkömmling
der
Salicylsäure und wurde um 1850
von dem französischen Chemiker Charles
Frederick Gerhardt
erstmals hergestellt.
Es war klar, dass
auch diese Substanz
schmerzstillende
Eigenschaften hat. Doch war das Einnehmen sehr unangenehm, denn sie
verätzte
Mund- und Magenschleimhäute. Erst später stellte sich
heraus,
dass diese unangenehmen Begleiterscheinungen auf Verunreinigungen
zurückzuführen
waren. Im Jahre 1893
fanden Felix Hoffmann
und Heinrich Dreser
einen Weg Acetylsalicylsäure zu reinigen. Sie erhielten die
Substanz
in Form eines weißen Pulvers. Ihre Mühe wurde
überaus
reichlich
belohnt: Aspirin wurde zu einem der erfolgreichsten Medikamente in der
Geschichte der Pharmazie.
Doch Aspirin hat
auch seine Nachteile.
Empfindliche
Menschen reagieren darauf mit Reizungen und selten auch mit Blutungen
von
Magen- und Darmschleimhaut.
Im Laufe seiner
hundertjährigen Geschichte
wurde Acetylsalicylsäure zeitweise als das Standardmittel
gegen
Infektionskrankheiten
(Fieber, Husten, grippale Infekte) und Arthritis (der altbekannte
Rheumatismus)
verordnet. Allerdings heilt es keine dieser Krankheiten, es macht sie
nur
erträglicher, indem es die Schmerzen lindert.
Neben
Acetylsalicylsäure enthalten
Aspirintabletten auch Zitronensäure und
Natriumhydrogencarbonat,
welches
mit der Acetylsalicylsäure zu deren Natriumsalz reagiert, das
wesentlich
besser wasserlöslich und etwas schneller wirksam ist
als die
reine Säure. Es reagiert ebenfalls mit Zitronensäure,
wobei
Kohlendioxid
entsteht, das in Form vieler kleiner Gasblasen entweicht. Doch egal, ob
man nun die reine Acetylsalicylsäure oder eines ihrer Salze zu
sich
nimmt:der Unterschied in der Wirksamkeit ist nicht besonders
groß.
Das liegt daran, dass im Magen ein saures Millieu herrscht, worin das
Salz
rasch wieder in die Säure zurückverwandelt wird. Da
die
Säure
schlecht wasserlöslich ist, fällt sie wieder als
Feststoff
aus,
wenn auch in sehr kleinen Kristallen. Diese kleinen Kristalle reizen
die
Magenschleimhaut nicht so sehr wie die großen Kristalle, die
man
in Form der reinen Säure zu sich nehmen würde.
Insofern ist
das
Natriumsalz
also verträglicher.
Auch wenn
Aspirin seit hundert Jahren in Gebrauch
ist, birgt es doch noch Risiken. Eine nicht alzu häufige
Nebenwirkung
sind die bereits erwähnten Blutungen der Magenschleimhaut.
Für
Kinder kann die Behandlung von Windpocken oder grippalen Infekten mit
Acetylsalicylsäure
tödliche Folgen haben.
Trotz seiner
Nebenwirkungen ist
Acetylsalicylsäure
ein bemerkenswerter Wirkstoff und ein Schmerzmittel. Ihm wird
nachgesagt,
Herzinfarkte und Thrombosen abwehren zu können, und es wurde
sogar
gemutmaßt, dass es sich bei der Behandlung von Krebs, grauem
Star
und Senilität einsetzen lasse.
Acetylsalicylsäure
verhindert, dass der
Körper diejenigen Stoffe produziert, die das Verklumpen der
roten
Blutkörperchen bewirken; verhindert die Bildung von Thrombosen
und
verbessert die vorbeugende Wirkung gegen Senilität, indem das
Gehirn
besser mit Sauerstoff versorgt wird. Die Wirksamkeit gegen grauen Star
schließlich beruht darauf, dass Acetylsalicylsäure
diejenigen
Protein-Moleküle zerstört, welche den Augapfel
trübe
machen.
Die
Höchstmenge pro Tag soll 4g nicht
übersteigen.
Eine Einzeldosis von 10g ist lebensbedrohlich, weil dann das Blut zu
sauer
wird. Es führt zur Beschleunigung der Atmung, Ankurbelung der
Nierenaktivität,
was einen gefährlichen Flüssigkeitsverlust zur Folge
haben
kann.
Dann kommt es zur Gewebszerstörung und letzten Endes zum Tod.
Wirkungsweise:
Aspirin hemmt ein
Enzym, das die Produktion von
Prostaglandinen steuert. Die Prostaglandine sind eine Gruppe von
chemischen
Verbindungen, welche eine Reihe biologischer Funktionen regulieren:
Verdauung,
Nierenfunktion, Blutkreislauf. Bestimmte Prostaglandine
lösen
außerdem Schmerzsignale
aus. Diese werden bei
Verletzungen und
Krankheiten
freigesetzt, und deshalb spüren wir Entzündungen,
Schmerz und
Fieber. Aspirin
verhindert die Synthese
von
Prostaglandinen in
geschädigtem
Gewebe.
Herstellung
von Acetylsalicylsäure:
5g
Salicylsäure werden mit etwa 5ml
Essigsäureanhydrid
in einem Erlenmeyerkolben mit 1Tropfen konz. H2SO4
versetzt und umgeschüttelt. Man erhitzt den Erlenmeyerkolben
im
Wasserbad
ca.15Min. auf ca. 60°C unter Umrühren. Dann
erhöht man
nochmal
etwa 5Min. die Flüssigkeit auf 80°-90°C unter
weiterem
Umrühren.
Schließlich nimmt man den Erlenmeyerkolben aus dem Wasserbad
und
stellt ihn in Eiswasser, so fällt sehr schnell
Acetylsalicylsäure
aus, die nun mit einer Nutsche abgesaugt werden kann. Der
Rückstand
wird mit Eiswasser ausgewaschen.
Sicherheitshinweise:
Arbeit im Abzug! Schutzhandschuhe und Schutzbrille tragen1
Reaktionsmechanismus
zur Herstellung von Acetylsalicylsäure
alternative Vorschläge von
Schülern (geeignet
zur Diskussion).
Schmelzpunktbestimmung
des Präparats:
Man füllt
etwas von der Substanz in eine
Kapillare und bringt sie in den seitlichen Ansatz des
Schmelzpunktbestimmungsapparats
(oder Zweihalskolben). Gut macht sich hier auch ein
probengefülltes
Mikroreagenglas, was in den seitlichen Hals passt. Zur Sicherheit
sollte
man das Reagenzglas mit einer Apparaturklemme sichern.
Der Schmelzpunkt
unseres Roh-ASS wurde mit etwas
unter 136°C bestimmt (Literaturwert 136°C).

Reinigung
der erhaltenen Substanz:
1) Man
überträgt die synthetisierte
ASS in ein großes sauberes Reagenzglas.
2) Kristallisiert
das Produkt um, indem man 1ml
Ethanol und 8ml entionisiertes Wassers
hinzufügt. Dann wird
die Substanz im heißen Wasserbad erhitzt, um sie wieder
aufzulösen
und
nachher in Eiswasser
abzukühlen.
3) Man filtriert
das Produkt mit einer Nutsche
ab.
4) Die Kristalle
werden in einem Trockenofen
bei 110°C 1Stunde lang getrocknet oder bei
Zimmertemperatur den ganzen
Tag.
Dann bestimmt
man erneut den Schmelzpunkt. Die
erhaltenen Werte lagen jetzt noch näher bei 136°C.
Damit
weiß
man aber noch nicht, ob das Produkt verwendbar ist.
Untersuchung
der hergestellten ASS
auf Reinheit:
1) Man
löst eine Aspirintablette in dest.
Wasser und bestimmt den pH-Wert mit Universalindikator-
papier.
2) Eine 1/2
Spatelspitze der hergestellten
Acetylsalicylsäure
wird in etwas dest. Wasser gelöst und
mit Universalindikator der
pH-Wert geprüft.
3) Man gibt zu der
ASS-Lösung einige
Tropfen Eisen-(III)-chlorid-lösung (w = 1%) und etwas Ethanol.
Es tritt eine schwache
violette
Färbung auf => Nachweis für den Rest
freie Salicylsäure,
der nicht reagiert
hat.
4) Zum Vergleich
werden beide Versuche mit Phenol
ausgeführt. Der pH-Wert des Phenols ist nur
schwach sauer, die Umsetzung
mit Eisen-(III)-chlorid-lösung ohne Ethanol zeigt, dass die
Farb-
reaktion die gleiche wie bei
der Salicylsäure ist, nämlich
kräftig violett (Es
bilden sich hier Farbkomplexe
zwischen Fe (III) und den OH
Gruppen der
aromatischen
Verbindungen).
Literatur
/ Quellen:
- Kollegstufe
Chemie :
Makromoleküle/Farbstoffe/
Heilmittel , Schroedel - Verlag
- John
Emsley
:
Parfüm,Portwein,PVC,...,
Chemie
im Alltag , Wiley-VCH
- research
:
Das
Bayer-Forschungsmagazin, Ausgabe9, Februar 1997 .
Hotlink
zur
Bayer
AG Leverkusen